Übersicht zur Mehrwertsteuer (MWST / TVA / IVA / VAT)

Die Mehrwertsteuer (kurz: MWST) ist eine sog. indirekte (Bundes-)Steuer, die die Schweizerische Eidgenossenschaft erhebt.

Seit 01.01.2018 gelten die neuen MWST-Sätze 7,7 % (Normalsatz), 3,7 % (Sondersatz für Beherbergungsdienstleistungen) und 2,5 % (reduzierter Satz).

Begriff

Die Mehrwertsteuer (kurz: MWST) ist eine allgemeine Verbrauchssteuer

  • Fremdsprachbegriffe:
    • Französisch: Taxe sur la valeur ajoutée (TVA)
    • Italienisch: Imposta sul valore aggiunto (IVA)
    • Englisch: Value Added Tax (VAT)

Grundlagen

Bundesverfassung, Gesetze + Verordnungen

History

  • Einführung Mehrwertsteuer (MWST)
    • Die Mehrwertsteuer MWST) wurde am 01.01.1995 eingeführt
  • Von der Warenumsatzsteuer (WuSt) zur Mehrwertsteuer (MWST)
    • Der Systemwechsel von der Warenumsatz- zur Mehrwertsteuer hat seinen  Ursprung in der Etablierung der MWST in sämtlichen Mitgliedstaaten der EU.
  • Revision des Mehrwertsteuerrechts
    • Am 01.01.2010 ist das total revidierte Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer vom 12.06.2009 (MWSTG) in Kraft getreten
    • Gegenüber dem vorherigen MWSTG ist das neue einfacher und generell anwenderfreundlicher
  • MWST-Satzanpassung per 01.01.2018
    • Da die Reform der Altersvorsorge 2020 in der Volksabstimmung vom 24.09.2017 abgelehnt wurde, traten per 01.01. 2018 die neuen Steuersätze von 7,7%, 3,7% und 2,5% in Kraft

System des Steuergesetzes (MWSTG)

Die Mehrwertsteuer ist eine sog. Allphasensteuer mit Vorsteuerabzugsmöglichkeit

Steuerart

Selbstveranlagungssteuer

Besteuerungsgrundsatz

Umsatzbezogene allgemeine Verbrauchssteuer

Ziel

Die Mehrwertbesteuerung zielt auf den nicht unternehmerischen inländischen Konsum von Gegenständen und Dienstleistungen

Besteuerungsfokus

Die MWST wird erhoben auf:

  • allen Stufen der Produktion, des Handels und des Dienstleistungssektors (Inlandsteuer)
  • dem Bezug von Leistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland (Bezugsteuer)
  • der Einfuhr von Gegenständen (Einfuhrsteuer)

Steuersubjekt

Als steuerpflichtig gilt:

  • Wer ein Unternehmen betreibt und nicht von der Steuerpflicht befreit ist (Inlandsteuer)
  • Wer im Inland innerhalb eines Kalenderjahres für mehr als CHF 10 000 Leistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland bezieht, sofern diese Unternehmen im Inland nicht steuerpflichtig sind (Bezugsteuer)
  • Der Zollschuldner für die Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen (Einfuhrsteuer)

Steuerobjekt

Inland

Gegenstand der Besteuerung (Steuerobjekt) sind

  • alle Leistungen, die im Inland gegen Entgelt erbracht werden und für die das Gesetz keine Ausnahme vorsieht

Importe

Auch Leistungen, die aus dem Ausland in die Schweiz eingeführt werden, unterliegen der MWST

  • Bewegliche Sachen
    • Besteuerung bei der Einfuhr
  • Dienst- und Werkleistungen
    • Dienstleistungen und gewisse werkvertragliche Leistungen sind vom Bezüger bzw. Empfänger dieser Leistungen zu deklarieren und versteuern
    • Ob eine Dienstleistung im Inland erbracht wird (und damit nach schweizerischem Mehrwertsteuerrecht besteuert wird), bestimmt sich
      • je nach Art der Leistung und nach den gesetzlichen Definitionen
    • Zur Bestimmung dieses Ortes gibt es mehrere Prinzipien, beispielsweise
      • Empfängerortprinzip
      • Erbringerortsprinzip
      • Tätigkeitsortsprinzip

Exporte

Exporte und die im Ausland erbrachten Leistungen sind von der Steuer befreit, und zwar aus der Überlegung, dass diese im Ausland mit einer ausländischen MWST belastet werden

Steuerbefreiungen

Allgemeines

Von der Steuerpflicht sind befreit:

  • Wer im Inland innerhalb eines Jahres weniger als CHF 100 000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen erzielt
  • Wer als nicht gewinnstrebiger, ehrenamtlich geführter Sport- oder Kulturverein oder als gemeinnützige Institution im Inland weniger als CHF 150 000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen erzielt

Unterscheidungskategorien „MWST-Befreiung“ und „von der MWST ausgenommene Leistungen“

Bei der MWST-Besteuerung wird unterschieden zwischen von der MWST befreiten und von ihr ausgenommenen Leistungen

Ziel

Auf beiden Leistungskategorien muss keine MWST entrichtet werden

Unterschied

Ein unterschiedliches Ergebnis entsteht jedoch beim Anspruch auf den Vorsteuerabzug (siehe nachfolgenden Abschnitt „Vorsteuerabzug“)

Echte Steuerbefreiung

Der Anspruch auf eine echte Steuerbefreiung besteht nur für den Bezug von Gegenständen und Dienstleistungen, welche zur Erbringung von Leistungen verwendet werden, die von der MWST befreit sind

Unechte Steuerbefreiung

Dienen die bezogenen Waren und Dienstleistungen (L+L) der Erbringung von Leistungen, die von der MWST ausgenommen sind, darf auf diesen Gegenständen und Dienstleistungen kein Vorsteuerabzug vorgenommen werden

Steuerbefreite Leistungen

Von der MWST befreit (mit Anspruch auf Vorsteuerabzug) sind insbesondere:

  • Lieferungen von Gegenständen, die direkt ins Ausland befördert oder versandt werden
  • Transportleistungen über die Grenze
  • Dienstleistungen an Empfänger mit Geschäftssitz oder Wohnsitz im Ausland

Von der MWST ausgenommene Leistungen

Von der Steuer ausgenommen (kein Anspruch auf Vorsteuerabzug) sind insbesondere:

  • Leistungen in den Bereichen des Gesundheitswesens, der Sozialhilfe und der sozialen Sicherheit
  • Leistungen für Erziehung, Unterricht und Kinder- bzw. Jugendbetreuung
  • kulturelle Leistungen
  • sportliche Anlässe
  • Versicherungsleistungen
  • Leistungen in den Bereichen des Geld- und Kapitalverkehrs
    • Ausnahmen
      • Vermögensverwaltung
      • Inkassogeschäfte
  • Vermietung von Wohnungen und anderen Liegenschaften (Überlassung zum Gebrauch oder zur Nutzung)
  • Verkauf von Grundstücken (Übertragung und Bestellung von dinglichen Rechten)
  • Wetten, Lotterien und sonstige Glücksspiele mit Geldeinsatz, sofern und soweit sie einer Sondersteuer oder sonstigen Abgaben unterliegen
  • Lieferungen von als solchen verwendeten inländischen amtlichen Wertzeichen
  • Veräusserung von Erzeugnissen der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Gärtnerei durch Landwirte, Forstwirte und Gärtner
  • Leistungen innerhalb des gleichen Gemeinwesens

MWST-Bemessungsgrundlage

Bemessungsgrundlage bildet bei im Inland erbrachten Lieferungen und Dienstleistungen das vereinbarte bzw. vereinnahmte Entgelt

MWST-Tragung

  • Die MWST soll vom Konsumenten getragen werden (B2C und B2B)
  • Vorbehalten bleibt der Vorsteuerabzug (siehe nachfolgenden Abschnitt „Vorsteuerabzug“)

MWST-Steuerausweis in der Rechnung

In der Regel wird sie auf ihn überwälzt, und zwar indem sie in den Verkaufspreis eingerechnet oder als separate Position auf der Rechnung aufgeführt wird

MWST-Steuersätze

Normalsatz

Die Steuer beträgt 7,7 % (seit 01.01.2018; bis 31.12.2017: 8 %)

Sondersatz

Beherbergungsleistungen (Übernachtungen mit Frühstück) der Hotellerie + Parahotellerie (zB Vermietung von Ferienwohnungen) unterliegen dem Satz von 3,7 % (bis 31.12.2017: 3,8%)

Reduzierter Satz

Für bestimmte Warenkategorien und Dienstleistungen besteht ein reduzierter Satz von 2,5%, insbesondere für:

  • Lebensmittel (exklusive alkoholische Getränke) nach dem Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände vom 20.06.2014 (LMG)
    • Ausnahme
      • Der Normalsatz von 7,7 % gilt für Lebensmittel, die im Rahmen von gastgewerblichen Leistungen abgegeben werden
  • Vieh, Geflügel, Fische
  • Sämereien, lebende Pflanzen, Schnittblumen
  • Getreide
  • Futter- und Düngemittel
  • Medikamente
  • Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und andere Druckerzeugnisse ohne Reklamecharakter der vom Bundesrat zu bestimmenden Printarten
  • Dienstleistungen der Radio- und Fernsehgesellschaften
    • Ausnahme
      • Der Normalsatz gilt für Dienstleistungen mit gewerblichem Charakter

Saldosteuersatz

  • Opting pro Saldosteuersatz
    • Steuerpflichtige mit einem Jahresumsatz bis CHF 5,02 Millionen und einer Steuerschuld von höchstens CHF 109 000 pro Jahr können eine vereinfachte Steuerabrechnung wählen
  • MWST-Deklaration ohne Vorsteuerabzugsermittlung (Meccano)
    • Die MWST-Steuerschuld wird durch Multiplikation des gesamten steuerbaren Bruttoumsatzes mit dem für die betreffende Branche geltenden sog. Saldosteuersatz ermittelt
    • Bei Anwendung solcher Saldosteuersätze – die immer niedriger als der Normalsatz (zZt. 7,7 %) sind – muss die an die Steuer auf den Umsätzen anrechenbare Vorsteuer nicht ermittelt werden, weil diese bereits bei der Festlegung des Saldosteuersatzes berücksichtigt wurde
  • MWST-Steuerausweis in der Rechnung
    • Die Saldosteuersätze dienen nur der Berechnung der MWST in der Abrechnung mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV)
    • Gegenüber den Leistungsempfängern (L+L) müssen hingegen die gesetzlichen Normal-Steuersätze von zur Zeit 7,7 %, 3,7 % oder 2,5 % angewandt werden

Selbstdeklaration

Grundsatz

In der Praxis läuft die Selbstdeklaration wie folgt ab:

  • Bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) ist durch den Steuerpflichtigen vierteljährlich (allenfalls auch monatlich) eine Selbstdeklaration einzureichen, in welcher die geschuldete Mehrwertsteuer (MWST) aufaddiert wird
  • Von diesem reinen MWST-Bruttobetrag können alle Vorsteuerbeträge abgezogen werden, die bereits durch Lieferanten an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) oder bei Importen an die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) abgeführt wurden
  • Die Bruttomarge unterliegt somit der Inlandsteuer, d.h. der schweizerischen MWST

MWST-Abrechnung

Die MWST-Abrechnung ist in drei Teile gegliedert:

  • Teil 1 (I. Umsatz)
    • Es werden das vereinbarte oder das vereinnahmte Entgelt und die Abzüge ins MWST-Formular eingetragen
  • Teil 2 (II. Steuerberechnung)
    • Es werden die geschuldete Umsatzsteuer auf die gesetzlichen Steuersätze aufgeteilt und die Vorsteuern aufgeschlüsselt
      • Daraus resultiert die Steuerforderung, d.h. die Steuerschuld oder das Steuerguthaben
  • Teil 3 (III. Andere Mittelflüsse)
    • In das MWST-Steuerformular sind die sog. Nicht-Entgelte einzutragen

Risiken

  • Jeder Steuerpflichtige steht mit der Selbstdeklaration der Frage nach der richtigen Anwendung der mehrwertsteuerlichen Vorschriften gegenüber
  • Die Mehrwertsteuer (MWST) betrifft in der Regel zahlreiche wirtschaftliche Transaktionen
  • Die ESTV unterzieht die Selbstdeklarationen nur sporadisch einer MWST-Revision, sodass Grundsatzfehler in der MWST-Anwendung im Falle nachträglicher Nichtüberwälzbarkeit auf die Vertragspartner über längere Zeiträume verheerende finanzielle Folgen zeitigen können

Steuererhebung

Zuständigkeit MWST allgemein

Zuständig für die Erhebung und den Einzug der Inland- und der Bezugsteuer ist die

  • Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV)

Zuständigkeit Einfuhrsteuer

Die Steuererhebung auf der Einfuhr von Gegenständen fällt in den Zuständigkeitsbereich der

  • Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV)

Vorsteuerabzug

Definition

Vorsteuerabzug   =   Recht des Steuerpflichtigen, in seiner MWST-Abrechnung die Steuer abzuziehen, die auf den von ihnen selber bezogenen Gegenständen und Dienstleistungen sowie auf ihren Einfuhren von Gegenständen lastet

Rechtliche Grundlagen

  • Art. 130 BV
  • Art. 196 Ziff. 3 Abs. 2 Bst.  e und Ziff.  14 Abs.  2 und 3 Übergangsbestimmung BV Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer vom 12.06.2009 (MWSTG)

Wirkungen

  • Grundsatz
    • Durch den Vorsteuerabzug soll die Steuerkumulation (steuerbelasteter Einkauf und Versteuerung des Umsatzes) vermieden werden (Netto-Allphasenprinzip).
  • Ausnahme
    • Dieses Prinzip wird durchbrochen bei Leistungen, die von der Steuer ausgenommen sind, indem die Erbringer solcher Leistungen keinen Vorsteuerabzug vornehmen dürfen (siehe nachfolgenden Abschnitt „Besonderheiten“)
  • Besonderheiten
    • Vorsteuerkorrektur
      • Bei gemischter Verwendung
        • Bei Gegenständen oder Dienstleistungen, die gemischt, d.h. für unternehmerische und nicht unternehmerische Tätigkeiten, verwendet werden, muss eine Vorsteuerkorrektur vorgenommen werden
      • Bei Eigenverbrauch oder Einlageentsteuerung (siehe „Nutzungsänderung (Eigenverbrauchsbesteuerung / Einlagenentsteuerung)“ unten) ist bei erfüllten Voraussetzungen eine Vorsteuerkorrektur vorzunehmen
    • Vorsteuerkürzung
      • Der Vorsteuerabzug ist insbesondere bei Erhalt von Subventionen zu kürzen

Option

Steuerobjekt

  • Grundsätze
    • Option durch Rechnungsstellung (MSTG 22 Abs. 1)
      • Die steuerpflichtige Person kann durch offenen Ausweis der Steuer in der Rechnung an den Leistungsempfänger oder durch Deklaration in der MWST-Abrechnung unter Vorbehalt der nachstehend aufgeführten Ausnahmen jede von der Steuer ausgenommene Leistung freiwillig versteuern
    • Option durch Deklaration in der MWST-Abrechnung (MWSTV 39)
      • Wird durch Deklaration in der MWST-Abrechnung optiert, ist ein Verzicht auf die ausgeübte Option oder die Ausübung der Option nur noch innerhalb der Finalisierungsfrist der Steuerperiode möglich, in der die Umsatzsteuerschuld entstanden ist
    • Option in Rechnung und MWST-Abrechnung
      • Die Option in der MWST-Abrechnung kann bei effektiv abrechnenden Steuerpflichtigen nur durch Deklaration unter den Ziffern 200 und 205 (kumulativ) der MWST-Abrechnung erfolgen
      • In allen übrigen Fällen geht die ESTV davon aus, dass nicht für die Leistung optiert wurde und dem Steuerpflichtigen auf den vorsteuerbelasteten Aufwendungen kein Vorsteuerabzugsrecht zusteht
    •  Rangordnung?
      • Die beiden Arten der Option (durch offenen Ausweis der Steuer in der Rechnung oder durch Deklaration in der MWST-Abrechnung) gelten als gleichwertig
    • Weitere Detailinformationen
  • von der Option ausgeschlossene Fälle (MWSTG 22 Abs. 2)
    • Gewisse Tätigkeiten die Option ausgeschlossen:
      • Leistungen im Versicherungsbereich (MWSTG 21 Abs. 2 Ziff. 18)
      • Leistungen im Bereich des Geld- und Kapitalverkehrs (MWSTG 21 Abs. 2 Ziff. 19)
      • Umsätze aus Wetten, Lotterien und sonstigen Glücksspielen mit Geldeinsatz, soweit sie einer Sondersteuer oder sonstigen Abgaben unterliegen (MWSTG 21 Abs. 2 Ziff. 23)
      • Leistungen im Zusammenhang mit Grundstücken (Vermietung, Verpachtung oder Verkauf; MWSTG 21 Abs. 2 Ziff. 20 und 21), wenn der Gegenstand vom Empfänger ausschliesslich für Wohnzwecke genutzt wird oder genutzt werden soll
    • Weitere Detailinformationen
    • Voraussetzungen und Merkmale der Option
      • Wesentliche Merkmale der freiwilligen Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen:
        • offener Ausweis der Steuer in der Rechnung oder
        • Deklaration in der MWST-Abrechnung unter den Ziffern 200 und 205 (kumulativ) genügen
      • Steuerpflicht Leistungsempfänger nicht entscheidend
        • Unwesentlich ist, ob der Leistungsempfänger steuerpflichtig ist oder nicht
      • Vorsteuerabzug kann (anteilsmässig) vorgenommen werden
      • Optionsentscheid bei jeder einzelnen Leistung
        • steuerpflichtige Person kann für jede einzelne Leistung entscheiden, ob sie die Leistung mit oder ohne Steuer in Rechnung stellen beziehungsweise in der MWST-Abrechnung deklarieren will
      • Rechnungsstellung ohne MWST bzw. Deklaration unter den Ziffern 200 und 230 in der MWST-Abrechnung:
        • Die Leistung bleibt von der MWST ausgenommen (ohne Anrecht auf Vorsteuerabzug)
      • Rechnungsstellung mit MWST beziehungsweise Deklaration unter den Ziffern 200 und 205 in der MWST-Abrechnung (kumulativ):
        • Für die Leistung wird optiert (mit Anrecht auf Vorsteuerabzug)
      • Steuerpflichtige mit der Saldosteuersatz- oder Pauschalsteuersatzmethode
        • Diese Personen können nur für folgende Leistungen optieren (MWSTV 77 Abs. 3 + MWSTV 97 Abs. 3):
          • Erzeugnisse aus Urproduktion (MWSTG 21 Abs. 2 Ziffer 26)
          • gewisse Leistungen unter Gemeinwesen (MWSTG 21 Abs. 2 Ziffer 28)
          • Zurverfügungstellung von Personal durch Gemeinwesen an andere Gemeinwesen (MWSTG 21 Abs. 2 Ziffer 28bis) 

Vorsteuerabzug und Vorsteuerkorrekturen

  • Inland
    • Siehe Grundsätze, a.A.
  • Ausland
    • Erbringt der Steuerpflichtige Person von der MWST ausgenommene Leistungen im Ausland und kann für diese, wären sie im Inland erbracht worden, optiert werden (MWSTG 22), berechtigen die für die Erbringung dieser Leistungen nötigen Aufwendungen zum Vorsteuerabzug (MWSTG 29 Abs. 1bis), und zwar unabhängig davon, ob für gleichartige, im Inland erbrachte Leistungen optiert wurde oder nicht
  • Branchen
    • Besondere Regeln bestehen v.a. für folgenden Branchen
      • Baugewerbe
      • Liegenschaftenverwaltung / Vermietung und Verkauf von Immobilien
      • Reisebüros / Kur- und Verkehrsvereine
      • Sport
      • Kultur

Nutzungsänderung (Einlageentsteuerung und Eigenverbrauchsbesteuerung) (Nutzungsänderung)

  • Bei Beginn der Option gemäss nMWSTG 22 kann eine allfällige Einlageentsteuerung (nMWSTG 32) geltend gemacht werde
  • Bei Ende der Option ist zu berücksichtigen, dass eine Korrektur des Vorsteuerabzugs in Form der Eigenverbrauchsbesteuerung vorzunehmen ist (nMWSTG 31)

MWST-Nachdeklaration

  • Stellt der Steuerpflichtige und / oder sein Berater nachträglich Mängel bei der eingereichten MWST-Abrechnung fest, sollte eine (unverzügliche) Nachdeklaration geprüft und ggf. vorgenommen werden
  • Vgl. hiezu Clavadetscher Diego / Rusca Gian-Andrea, Die Nachdeklaration bei der MWST, in: TREX 1/2006, TREX 2/2006 und TREX 3/2006

Rückforderung zu viel bezahlter MWST

  • Das Rückforderungsrecht des Steuerpflichtigen ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die im konkreten Einzelfall zu prüfen sind
  • Vgl. hiezu Clavadetscher Diego / Rusca Gian-Andrea, Die Nachdeklaration bei der MWST, in: TREX 1/2006, S. 16 f.

Verjährung

  • Festsetzungsverjährung (Veranlagungsverjährung)
    • Verjährungsgegenstand
      • MWST-Forderungen
      • MWST-Vorsteueranspruch
    • Relative Verjährungsfrist (MWSTG 42 Abs. 1)
      • Das Recht, eine Steuerforderung festzusetzen, verjährt 5 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, in der die Steuerforderung entstanden ist
    • Verjährungsunterbrechung (MWSTG 42 Abs. 2)
      • Die Verjährung wird unterbrochen durch:
        • eine auf Festsetzung oder Korrektur der Steuerforderung gerichtete empfangsbedürftige schriftliche Erklärung
        • eine Verfügung
        • einen Einspracheentscheid
        • ein Urteil
      • Zu einer entsprechenden Unterbrechung der Verjährung führen auch
        • die Ankündigung einer Kontrolle nach MWSTG 78 Abs. 3
        • der Beginn einer unangekündigten Kontrolle
    • Verjährungsunterbrechung durch Rechtsmittelverfahren (MWSTG 42 Abs. 3)
      • Wird die Verjährung durch die ESTV oder eine Rechtsmittelinstanz unterbrochen, so beginnt die Verjährungsfrist neu zu laufen. Sie beträgt neu zwei Jahre
    • Verjährungsstillstand (MWSTG 42 Abs. 4)
      • Die Verjährung steht still,
        • solange für die entsprechende Steuerperiode ein Steuerstrafverfahren nach diesem Gesetz durchgeführt wird
        • wenn der zahlungspflichtigen Person dies mitgeteilt worden ist (MWSTG 104 Abs. 4)
    • Unterbrechungs- und Stillstandwirkungen (MWSTG 42 Abs. 5)
      • Unterbrechung und Stillstand wirken gegenüber allen zahlungspflichtigen Personen
    • Absolute Verjährung (MWSTG 42 Abs. 6)
      • Das Recht, die Steuerforderung festzusetzen, verjährt in jedem Fall 10 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, in der die Steuerforderung entstanden ist
  • Bezugsverjährung
    • Relative Verjährung (MWSTG 91 Abs. 1)
      • Das Recht, die Steuerforderung, Zinsen und Kosten geltend zu machen, verjährt 5 Jahre, nachdem der entsprechende Anspruch rechtskräftig geworden ist
    • Verjährungsstillstand (MWSTG 91 Abs. 2)
      • Die Verjährung steht still, solange die zahlungspflichtige Person in der Schweiz nicht betrieben werden kann
    • Verjährungsunterbrechung (MWSTG 91 Abs. 3)
      • Die Verjährung wird unterbrochen durch:
        • jede Einforderungshandlung
        • jede Stundung seitens der ESTV
        • jede Geltendmachung des Anspruchs seitens der steuerpflichtigen Person
    • Unterbrechungs- und Stillstandwirkungen (MWSTG 91 Abs. 4)
      • Unterbrechung und Stillstand wirken gegenüber allen zahlungspflichtigen Personen
    • Absolute Verjährung (MWSTG 91 Abs. 5)
      • Die Verjährung tritt in jedem Fall ein:
        • 10 Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem der Anspruch rechtskräftig geworden ist
    • Verlustscheinforderung über MWST-Forderung (MWSTG 91 Abs. 6)
      • Wird über eine Steuerforderung ein Verlustschein ausgestellt, so richtet sich die Bezugsverjährung nach den Bestimmungen des SchKG
  • Weiterführende Informationen
    • Hinweis
      • Vgl. auch MWSTG 112 (2009) – Anwendung bisherigen Rechts
    • Judikatur
      • BGE 144 II 273 ff. (altrechtliche absolute Verjährungsfrist (auch 15 Jahre)

Internationaler MWST-Vergleich

In den Nachbarstaaten betragen die Mehrwertsteuersätze (Stand 01.01.2016):

  • Deutschland
    • 19 % / 7 %
  • Frankreich
    • 20 % / 10 % / 5,5 % / 2,1 %
  • Österreich
    • 20 % / 13 % / 10 %
  • Italien
    • 22 % / 10 % / 5 % / 4 %

Für die konkrete Interessenlage empfiehlt sich eine tagesaktuelle Abklärung

Fazit

Humane MWST-Besteuerung in der Schweiz mit grundsätzlichem Trend, allf. MWST-Satzerhöhungen für die Refinanzierung von Staatsaufgaben zu verwenden (wie AHV, IV, grosse Bahnprojekte, Prämienverbilligung in der Krankenversicherung)

Literatur

Teil 1 (Literatur mit MWST-Erlassen)

Teil 2 (MWST allgemein)

Teil 3 (Nachdeklaration und Rückforderung)

  • Auer Christoph, Das Verhältnis zwischen Nachsteuerverfahren und Steuerstrafverfahren, in: ASA 66, S. 1 ff.
  • Behnisch Urs, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Camenzind Alois/Honauer Niklaus/Vallender Klaus, Handbuch zur neuen Mehrwertsteuer, Bern/Stuttgart/Wien 2003
  • Stéphane Gmünder, Strafrechtliche Verantwortlichkeit der Revisionsstelle und des Steuerberaters im Bereiche der Mehrwertsteuer, in: Der Treuhandexperte 2/04, S. 73 ff.
  • Homberger Gut, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Honauer Niklaus, Verwaltungsräte nun auch für die Vergangenheit unselbständig, in: Der Schweizer Treuhänder 12/00, S. 1409 ff.
  • Honauer Niklaus, Die Berücksichtigung der MWST in der Tätigkeit der Revisionsstelle, in: Der Schweizer Treuhänder 10/01, S. 1022 ff.
  • Honauer Niklaus/Zollinger Peter, Zum Tatbestand der Steuerhinterziehung gemäss MWSTG, Steuerhinterziehung gemäss Art. 85 MWSTG im Spannungsfeld zum Selbstveranlagungsprinzip, in: Der Schweizer Treuhänder 8/04, S. 683 ff.
  • Neidhart Stephan, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Oberson Xavier, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Schafroth Gerhard/Wenk Thomas P., Selbstveranlagung und Ergänzungsabrechnung, in: Der Schweizer Treuhänder 10/98, S. 1167 ff.
  • Schär Daniel, Verschuldensprinzip auch im MWST-Recht, in: Der Schweizer Treuhänder 12/03, S. 1146 ff.
  • Schär Daniel, MWST-Seminar vom 25./26. Mai 2004, Falllösung 2. Sachverhaltsmodifikation: Rückstellungsbildung
  • Scherrer Bruno, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Scherrer Bruno/Ineichen Markus, Fragen zum Strafrecht der Mehrwertsteuer, in: Der Schweizer Treuhänder 12/94, S. 1092 ff.
  • Stähli Marc, Die Rechtsstellung des Steuervertreters, Bern 1994
  • Wenk Thomas P., in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Wernli Jürg, in: mwst.com, Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Basel/Genf/München 2000
  • Zweifel Martin/Athanas Peter, Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, I/2b,
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